04/09/2024
Den Markt im Blick – Experteninterview zur Automatisierung an Flughäfen
Gemessen an der Zahl ankommender Touristen hat sich das weltweite Reiseaufkommen inzwischen fast vollständig von seinem Einbruch während der Covid-19 Pandemie erholt (World Tourism Organization (UNWTO), 2023). Auch im Flugverkehr steigen die Passagierzahlen mit Ausnahme der beiden Corona Jahre 2020 und 2021 seit vielen Jahren stetig an. Ein Trend, der sich laut aktueller Prognosen auch in den kommenden Jahren fortsetzen soll (Statista, 2023) Die zunehmenden Passagierzahlen bei anhaltendem Fachkräftemangel, behördliche Anforderungen an sicherheitsrelevante Prozesse, sowie die hohen Erwartungen der Passagiere selbst, stellen Flughafenbetreiber vor neue Herausforderungen. Menschenmassen vor dem Check-In und ständigen Körperkontakt an diversen Kontrollpunkten gilt es zu vermeiden. Mit smarten Antriebslösungen kann Dunkermotoren dazu beitragen, die Automatisierung an Flughäfen weiter auszubauen und so die Sicherheit und den Komfort der Fluggäste weiter zu verbessern.
Im Interview spricht Dunkermotoren, eine Marke von AMETEK, mit Matthias Tidelski und Tobias Johnston über den Automatisierungstrend an Flughäfen. Als Key Account Manager bei Dunkermotoren betreuen beide vielfältige Projekte im Bereich flughafenspezifischer Anlagen und verraten uns, welche Entwicklungen sie für die Zukunft sehen.
Herr Tidelski, Studien zufolge ist die Automatisierung von Flughäfen für deren Betreiber ein zunehmend wichtiger Aspekt. Was denken Sie, sind die größten Treiber für steigende Investitionen in diesem Bereich?
Tidelski: Die Flughäfen müssen mit einer zunehmenden Anzahl von Passagieren zurechtkommen. Gleichzeitig sollen die Standzeiten der Flugzeuge verkürzt werden. Vor dem Hintergrund, dass immer weniger qualifiziertes Personal zur Abfertigung der Passagiere und deren Gepäck zur Verfügung steht, bleibt nur eine Optimierung der automatisierten Abläufe – und das in allen Bereichen. Dies beginnt beim Check-in und der Gepäckaufgabe und erstreckt sich über den Transport und die Verteilung des Gepäcks innerhalb des Flughafens bis zur Beladung des Flugzeugs.
Herr Johnston, Ihre Kunden beschäftigen sich mit der Entwicklung automatischer Zutrittskontrolleinrichtungen und Sicherheitsschleusen, die täglich tausende Passagiere abfertigen. Haben die Entwicklungen der Passagierzahlen Auswirkungen auf die technischen Anforderungen solcher Anlagen und der darin verbauten Komponenten?
Johnston: Mit steigenden Passagierzahlen erwartet man von zunehmender Automatisierung vor allem einen verbesserten Personenfluss. Anlagen müssen daher schnell und störungsfrei laufen. Somit werden immer dynamischere Antriebslösungen benötigt, durch welche sich die Dauer, für die sich eine Person an einem Access Gate aufhält, weiter verringern lässt. Auf der anderen Seite darf die erhöhte Performance-Anforderung der Antriebssysteme nicht zulasten der Lebensdauer gehen, weshalb besonders langlebige Getriebe gefragt sind.
Abgesehen von einem zunehmenden Passagieraufkommen, wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen für Hersteller automatischer Zutrittskontrolleinrichtungen?
Johnston: Die Anforderungen an die Funktionalität solcher Gates steigen stetig. Die Komplexität der integrierten Funktionen übersteigt längst die Auslegung einer soliden Mechanik. Es stehen zunehmend die Integration von Systemen wie Facial Recognition und die Vernetzung mit der Gebäudeinfrastruktur im Fokus. Solche vielschichten Anforderungen gepaart mit der Zielstellung einer möglichst kurzen „time-to-market“ für Neuprodukte stellen die Hersteller vor große Herausforderungen, die sich im Übrigen auch in der Erwartungshaltung an Komponentenlieferanten widerspiegeln.
Bitte erläutern Sie genauer, inwiefern Dunkermotoren als Antriebshersteller mit seinen Produkten von den steigenden Anforderungen an Anlagenhersteller betroffen ist.
Johnston: Zur Befriedigung der möglichst kurzen „time-to-market“ sind so genannte Plattform-Lösungen unumgänglich. Hierbei werden Softwarefeatures einmalig entwickelt und auf einer externen Antriebssteuerung, wie z. B. unserer BGE 5510 dPro installiert. Über diese zentrale Steuerung können nun die Motoren aller Gates angesprochen werden. Sind Updates oder Änderungen erforderlich, müssen diese ebenfalls nur einmalig aufgespielt werden. Auch wenn alte Gates später durch neue Lösungen ersetzt werden, kann die bestehende Software dank zentraler Steuerung wieder verwendet werden. Der zeitraubende Entwicklungs- und Installationsaufwand entfällt somit, und neue Produkte können schneller eingesetzt werden.
TDarüber hinaus spielt das Thema Sicherheit für die Flughafenautomation eine große Rolle. In keinem anderen Marktumfeld wird dem Sicherheitsaspekt mehr Beachtung geschenkt als an Flughäfen. Es muss zwingend sichergestellt werden, dass Unberechtigten der Zutritt zu sensiblen Bereichen verwehrt bleibt. Aus diesem Grund müssen Antriebe besonders robust sein. Gleichzeitig muss jedoch sichergestellt werden, dass kein Personenschaden entstehen kann. Dies wird mithilfe intelligenter Motorsteuerungen bewerkstelligt.
Herr Tidelski, neben der Automatisierung ist die Digitalisierung ein weiterer Megatrend unserer Zeit. Welchen Stellenwert hat die Digitalisierung in der Flughafenautomation?
Tidelski: Ohne die Digitalisierung wäre ein geregelter Ablauf in den heutigen Großflughäfen schlichtweg nicht möglich. Das Handling der Tickets, die lückenlose Sicherheitsüberprüfung und das Boarding auf der Passagierseite sind nur ein kleiner Teil aller Abläufe, die für einen reibungslosen Flughafenbetrieb notwendig sind. Die automatisierte Gepäckbeförderung vom Check-in bis ins Flugzeug und über die Kofferausgabe zurück zum Eigentümer ist der weniger sichtbare Teil. Über den Strichcode auf dem Gepäcklabel ist festgelegt, wohin der Koffer wann transportiert werden muss. Förderbänder von mehreren Kilometern Länge bringen die Gepäckstücke dann in Lagersysteme oder direkt zum entsprechenden Flugzeug. Die eigentliche Arbeit übernehmen dann intelligente Antriebe, welche die Gepäckstücke auf Basis der Label individuell sortieren und dafür Sorge tragen, dass jeder einzelne Koffer zur richtigen Zeit an seinem Bestimmungsort ankommt. Diese Sortierleistung ist nur möglich, wenn jeder einzelne Antrieb schnell und auf digitalem Wege mit der Leitstelle kommuniziert und auf Anforderung entsprechend reagiert.
Neben allen Trends darf bei der Entwicklung neuer Anlagen eines nicht zu kurz kommen: Nachhaltigkeit! Welchen Einfluss denken Sie werden Energieeffizienz und CO2 Reduktion bei der Entwicklung flughafenspezifischer Anlagen in Zukunft haben?
Tidelski: Der CO2-Fußabdruck bzw. das CO2e-Equivalent ist eng mit der Wertschöpfungskette verbunden. Beim Bau neuer Flughäfen, Gebäude, Anlagen oder Systemen wird eine CO2-neutrale Herstellung angestrebt. Antriebslösungen von Dunkermotoren gehören bereits heute zu den effizientesten Motoren ihrer Klasse. Schon bei der Herstellung versucht Dunkermotoren, seinen CO2 Ausstoß zu minimieren. So verbessert z. B. der Einsatz von Solartechnik und Wärmerückgewinnung im Produktionsprozess den Fußabdruck der Produkte und ermöglicht es unseren Kunden, ihren eigenen CO2-Fußabdruck zu optimieren und ihren Kunden energieeffiziente Lösungen anzubieten.
Herr Tidelski, Herr Johnston, zum Abschluss: Wo werden bei künftigen Entwicklungen die Schwerpunkte liegen, um den Flughafenbetrieb weiter zu optimieren?
Johnston: Als Key Account Manager im Segment „Building“ freut es mich natürlich, dass in Flughäfen nicht nur Zutrittskontrollen automatisiert sind. Von der Eingangstür, über das Drehkreuz an der Toilette, dem Fahrstuhl für den barrierefreien Zugang zu allen Bereichen, bis hin zur Beschattung durch Außenjalousien sind schon heute sämtliche Bereiche der Gebäudeautomatisierung mithilfe von Dunkermotoren motorisiert.
Aus meiner Sicht stellt sich daher nicht die Frage nach zusätzlichen Applikationen. Für mich wird interessant, wie sich die Charakteristik der Automatisierung in den kommenden Jahren weiterentwickelt. Denn: Wenn wir uns auf den eigentlichen Bedarf der Flughafenbetreiber beziehen, ist es nicht die Hardware in Form des Gates selbst, die optimiert werden muss. Vielmehr gilt es, einen hohen Passagierdurchsatz ohne Sicherheitsrisiken zu gewährleisten. Somit sind es die Service-Angebote hinter der eigentlichen Antriebstechnik, die z. B. zur Vermeidung von Ausfallzeiten genutzt werden können und damit den größeren Mehrwert für die Flughafenbetreiber darstellen. Ich bin mir sicher, dass wir den Herstellern von Zutrittskontrollsystemen wie Access Gates einen signifikanten Mehrwert bieten können, wenn wir unsere Motoren befähigen, drohende Stillstände zuverlässig vorauszusagen. Mit den Lösungen unserer Digitalmarke nexofox rund um Predicitve Maintenace sehe ich uns hier für die Zukunft bestens aufgestellt.
Tidelski: Dem kann ich mich nur anschließen. Auch im Bereich Gepäcktransport ist eine störungsfreie und hohe Anlagenverfügbarkeit der Schlüssel für einen effizienten Flughafen. Werden wahrscheinliche Ausfälle auf Basis von Antriebsdaten erkannt, können Ersatzteile rechtzeitig vorgehalten und die Wartung in betriebsfreien Zeiten durchgeführt werden, ohne den Flughafenbetrieb zu beeinträchtigen.
Vielen Dank für das Gespräch.
Zur Person: Matthias Tidelski
Matthias Tidelski ist Key Account Manager im Bereich Industrie Automatisierung bei Dunkermotoren. Durch seine über 20-jährige Laufbahn im Unternehmen kennt er die Möglichkeiten des modularen Baukastensystems und schöpft die Potentiale der Antriebslösungen optimal aus. Gemeinsam mit seinen Kunden realisierte er so schon zahlreiche komplexe Sortieranlagen – für Postsendungen, Lagerhallen und natürlich die Flughafenautomatisierung.
Zur Person: Tobias Johnston
Tobias Johnston ist Key Account Manager im Bereich Gebäudeautomatisierung bei Dunkermotoren. Neben Eingangstüren wie Schwingtüren oder Karusselltüren arbeitet er mit immer mehr Kunden auch an der Umsetzung von so genannten Platform Screen Doors sowie Zutrittskontrolleinrichtungen in Metrostationen und Flughäfen, um öffentliche Plätze wie diese, sicherer zu machen. Der Fokus unseres Vertriebsteams auf einen spezifischen Markt bringt wahre Marktexperten hervor, welche neben den Anforderungen ihrer Kunden auch die aktuellen Richtlinien stets im Blick haben.
Downloads:
Den Markt im Blick – Experteninterview zur Automatisierung an Flughäfen (PDF)
Martina Jägler
Marketing Content Management and Lead Processing
Dunkermotoren GmbH
Allmendstraße 11
79848 Bonndorf, Germany
- Phone: +49 7703 930 314
- Email: Martina.Jaegler@ametek.com
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