05/18/2021

Interview: Mit Antrieb in die Zukunft
 


Interview: With drive into the futurevon Chefredakteur Erik Schäfer, Konstruktion & Entwicklung.


Wie arbeitet Dunkermotoren in der Corona-Krise an der Zukunft? Geschäftsführer Uwe Lorenz und Produktstrategie Leiter Tobias Pfendler geben Antworten im Exklusivinterview der Konstruktion & Entwicklung.

Herr Lorenz, „eine Krise entschleunigt“ sagten Sie in Anbetracht des ersten Corona-Pandemie-Lockdowns 2020. Wie hat Ihr Unternehmen diese Entschleunigung genutzt?

Uwe Lorenz: Die Entschleunigung ist ja immer relativ. Ich glaube die Pandemie hat zum einen entschleunigt und zum anderen auch beschleunigt. Dunkermotoren hat frühzeitig und rechtzeitig, vor allem durch seine globale Aufstellung, Erfahrungen gemacht, bevor die Pandemie nach Europa übergeschwappt ist. Wir konnten sehen, was man in China gemacht hat, wie sich das Virus ausbreitet. Daher haben wir allen voran den Schutz unserer Mitarbeiter in den Vordergrund gestellt. Auf die Firma bezogen und technologisch, hatten wir so erst einmal eine Entschleunigung. Wir waren im Office und haben einen Krisenstab gebildet. Da ging es um den Umgang mit der Pandemie, dem Schutz der Mitarbeiter aber auch dem Schutz der Firma, der Substanz.

Zur Beschleunigung: Unseren Strategieplan 2025, den wir weit vor der Krise – Anfang 2019 – aufgestellt haben, haben wir konsequent und nachhaltig vorangetrieben. Deswegen spreche ich von Beschleunigung. Denn wir haben die Entschleunigung genutzt, um unsere Hausaufgaben und die strategische Ausrichtung und da allen voran das Thema Digitalisierung voranzutreiben. Wichtig ist mir da noch zu erwähnen, dass wir schon 2019 ein Projektteam etabliert haben, das direkt an mich berichtet, mit der Vorgabe Dunkermotoren in die digitale Transformation zu führen. Dieses Thema haben wir konsequent und gut vorangetrieben.

2020 – in einer Zeit der Unsicherheit durch Covid-19 – feierte Dunkermotoren das 70-jährige Bestehen. Was sind für Sie die drei wichtigsten Lehren aus diesen 70 Jahren?

Uwe Lorenz: Was wir sehr schade gefunden haben ist, dass wir mit unseren Mitarbeitern und unseren engen Geschäftspartnern das 70-jährige Jubiläum nicht persönlich feiern konnten. Wir haben es uns aber trotzdem nicht nehmen lassen, die Chronologie und die Geschichte des Unternehmens aufzuarbeiten und mit unseren Kolleginnen und Kollegen zu teilen – mit Fakten und auch Anekdoten, die eine solche Firmengeschichte mit sich bringt. Die Firma Dunkermotoren und die ganzen Mitarbeiter sind sehr stolz auf ihre Vergangenheit und ihre Herkunft. Dieser Geschichte widme auch ich sehr viel Beachtung. Der Innovationskompass der Firma hat über diese 70 Jahre gezeigt, dass wir nach dem Krieg am Puls der Zeit waren und durch Innovationen die Zukunft gestaltet haben. Dieser Innovationswille bestärkt uns diesen Weg auch in die Zukunft zu gehen.

Nochmals zurück zur verpassten 70-Jahr-Feier: Man muss auch feiern mit persönlichen Kontakten und Geselligkeit und darum haben wir uns fest vorgenommen, das nachzuholen.

Da wäre ja das 75-jährige Jubiläum ein guter Anlass, bis dahin sollte die Pandemie uns ja nicht mehr beschäftigen?

Uwe Lorenz: 75 Jahre werden wir sicherlich auch feiern, aber wir haben uns fest vorgenommen, auch das 70-Jahre-Jubiläumsfest sogar noch dieses Jahr nachholen, sofern es die Umstände ermöglichen.

Tobias Pfendler: Ich habe da nicht viel hinzuzufügen. Wir haben viel Zeit investiert, um die Firmengeschichte zu dokumentieren. Da war es interessant zu sehen, wie sich so manches in der Firmengeschichte wiederholt. Schön zu sehen war, dass es eigentlich von Anfang an immer kontinuierlich mit wegweisenden Innovationen voran ging.

Die Digitalisierung ist das große Thema in der Industrie. Sie nahmen 2020 erstmals mit einem virtuellen Messestand an der sps connect teil. Was waren da Ihre Erwartungen?

Tobias Pfendler: Ich hatte keine allzu hohen Erwartungen – schon im Vorfeld. Ich glaube man muss sagen: Es war eher ernüchternd. Aber das gilt eigentlich für alle bisherigen digitalen Messen. Ich glaube, wir freuen uns alle auf die Zeit nach Corona, wenn es wieder „echte“ Messen gibt.

Uwe Lorenz: Ich kann das von Herrn Pfendler unterstreichen. Aber auf der anderen Seite lernen wir alle dazu. Unser virtueller Messestand, der auch auf unserer Homepage steht, ist aus meiner Sicht gelungen und erfolgreich – er passt in die Zeit. Vieles, was da an digitalen Events zu sehen war, war sicher noch nicht so gut, weil alles sehr abrupt kam und so neu war. Aber die Kombination mit dem traditionellen, klassischen Messekontakt und der digitalen – nicht unbedingt virtuellen – neuen Welt, das werden wir in unser Tun mit einbeziehen müssen. Ich bin mir sicher, dass es da eine Ambidextrie gibt und wir eine gute Kombination aus der aktiven, klassischen Messe und der digitalen Welt haben werden und das mit einem virtuellen Messestand mit nach vorne gestalten müssen.

Sie zeigen auf Ihrem virtuellen Messestand unter anderem Ihre BG Baureihe mit IQ-Encoder, die als Plug & Play-System für das SIMATIC MICRO-DRIVE Servoantriebs-system ausgelegt ist. Heißt das, dass Sie die Motoren für die Siemens SIMATIC MICRO-DRIVES herstellen? Wie profitieren Ihre Kunden von Ihrer Kooperation mit Siemens?

Tobias Pfendler: Das MICRO-DRIVE System ist eine tolle Steuerung für Gleichstromanwendungen mit umfassenden Safety-Funktionalitäten, wie Profisafe-Profile, aber auch wie Safe Torque Off (STO), Safely Limited Torque (SLT) und vielem mehr. Was auch ein Vorteil dieses Systems ist, ist die Auslegung über das TIA-Portal und die problemlose Einbindung in die SIMATIC-Umgebung. Dunkermotoren bietet für die MICRO-DRIVE-Regler ein umfassendes Portfolio: Motoren, Getriebe, Geber und Bremsen. Das alles ist perfekt aufeinander abgestimmt. Die Encoder werden mit einem digitalen Typenschild geliefert, es gibt vorkonfektionierte Leitungen und so lassen sie sich einfach Plug & Play betreiben. Das Ganze ist mit hoher Schutzklasse IP65 ausgelegt und ab Lager innerhalb weniger Tage verfügbar. Somit profitieren die Kunden von der Kooperation und von der Kompatibilität der Systeme SIMATIC MICRO-DRIVE und Dunkermotoren.

Liefern Sie alle Motoren für das SIMATIC MICRO-DRIVE-System?

Tobias Pfendler: Es gibt noch einen weiteren Hersteller, wobei wir durch unser breites Portfolio im gesamten Leistungsbereich und insgesamt ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis herausragen.

Zukunft jetzt! Hinter ihrem sps-Messemotto verbergen sich ja auch Ihre Anstrengungen in Richtung IIoT, also die Vernetzung smarter und energieeffizienter Motoren. Was ist hier Ihre Agenda?

Uwe Lorenz: Das ist zum einen in der Vernetzung und Anbindung der Antriebslösungen, was ja de facto dahintersteht, führend zu sein. Dass wir bei unseren intelligenten Motoren – wo wir ja auch mit der integrierten Elektronik ein Vorreiter waren – einen Schritt voraus sind und die Vernetzung für unsere Kunden und unsere Applikationen wirklich durchgängig anbieten. Auch diesen Punkt haben wir rechtzeitig erkannt, schon frühzeitig adressiert auf Basis unserer intelligenten Antriebe, basierend auf der Motor Control-Platform. Die Software – unsere Firmware – die integrierte Elektronik und jetzt darauf die Vernetzung über IIoT, so wollen wir dieses System konsequent, innovativ, nachhaltig und vorausschauend vorantreiben.

Wie weit sind Sie denn auf diesem Wege?

Uwe Lorenz: Ich würde sagen, sehr weit fortgeschritten. Wir gehören zu den ersten Mitgliedern der Open Industry 4.0 Alliance und sind auch Teil der (Siemens) Mindsphere (World) und wirken da bei einigen Themen mit. Wir haben erste Piloten, sowohl bei unserer Smart Factory – in unserer Wertschöpfung und Produktion – als auch schon erste Lead-Kunden-Kontakte.

Tobias Pfendler: Wir sind bereits Marktführer bei smarten Motoren gewesen und haben sehr feldnah Sensorik und Intelligenz verbaut, bevor IIoT ein Thema war . Somit war die Grundlage schon vorhanden und wir können uns nun auf die Geräte-Cloud fokussieren.

Sie sind 2020 der eben erwähnten Open Industry 4.0 Alliance und auch dem Mindsphere World e.V. beigetreten. Was war da Ihr Antrieb und wie bringt sich Dunkermotoren in diesen beiden Partnernetzwerken ein?

Tobias Pfendler: Die Mindsphere ist für Dunkermotoren das bevorzugte IIoT-Ecosystem. Das ist die Basis für die zeitnahe Entwicklung und Bereitstellung der Cloud basierten Apps und –Funktionalitäten. In der Open Industry 4.0 Alliance sind wir unter Gleichgesinnten und treiben dort die Standardisierung voran, mit dem Ziel, dass wir dem Kunden einen einfachen Einsatz von Komponenten verschiedener Hersteller in der IIoT-Umgebung ermöglichen. Ich denke, dass alle davon profitieren können – vom kleinen Mittelständler bis zum globalen Player.

Sicherheit, Energieeffizienz, Integrierbarkeit, Kommunikationsfähigkeit zwischen Motor, Edge und Cloud – Die Anforderungen an die Motoren der Zukunft steigen. Sind das auch die Themen, die Sie in den beiden Partnernetzwerken vorantreiben wollen?

Tobias Pfendler: Das sind in jedem Fall die zentralen Themen. In der Open Industry 4.0 Alliance geht es darum, dass wir die Kompabilität verbessern und eine Verwendungsbarriere für die Maschinen- und Anlagenbauer möglichst geringhalten. Wir als Dunkermotoren allein könnten das nicht gestalten, dafür brauchen wir Partner. Im Prinzip geht es darum, dass sich unsere Kunden keine Gedanken machen müssen über die Anbindung von Motoren und die Einbindung unserer Apps in ihre Welt – das ist unser Job.

Uwe Lorenz: Das war schon viele Jahre zuvor unser Antrieb Sicherheit, Energieeffizienz und Integrierbarkeit in unseren Motoren zu verwirklichen. Da sehen wir uns schon als ein Vorreiter, etwa mit der integrierten Elektronik, mit der Effizienzklasse oder beim Thema Nachhaltigkeit. Das ist auch der Antrieb den nächsten Schritt in die Vernetzung, die Cloud und Digitalisierung zu gehen und da auch mitzugestalten und davon zu profitieren.

Eine Frage zum Schluss: Welche Frage haben Sie vermisst, beziehungsweise worauf sollten wir noch näher eingehen?

Tobias Pfendler: Ich möchte noch auf den Nutzen der IIoT-Lösungen für unsere Kunden eingehen. Naheliegend ist ja, dass man die Daten verwendet, die unsere Motoren aus dem Feld bereitstellen. Für Condition Monitoring und Predictive Maintenance zur Vorhersage von Ausfällen. Das sind Mehrwerte, die wir schon heute bieten. Längerfristig sehe ich auch, dass es komplett neue Geschäftsmodelle geben wird, nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kunden, die Maschinen- und Anlagenbauer. Das können wir auch nur gemeinsam realisieren – das heißt: kommerzialisieren. Die Bereitstellung und der Verkauf von Features bis hin zu Pay-per-Use von ganzen Maschinen und Fertigungsanlagen, das sind einfach ganz neue Möglichkeiten. Uns schwebt vor: Wenn der Maschinenbauer solche Geschäftsmodelle mit seinen Kunden realisiert, dass er seine Kernkomponenten mit entsprechenden Geschäftsmodellen bei uns beziehen kann. Wir haben keinen Zweifel daran, dass das kommen wird.

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Martina Jägler - Frau für Public Relations

Martina Jägler

Marketing Content Management and Lead Processing

Dunkermotoren GmbH
Allmendstraße 11
79848 Bonndorf, Germany


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